Phrasenratgeber - Heute: Weihnachtliches Teil I

Wie oft scheitert man im Angesichte einer abgedroschene Phrase, einer sinnfreien Sentenz, eines abgegriffenen Satzes nicht daran, jene weltmännische Gelassenheit aufzubieten, die von moralischer und geistiger Erhabenheit zeugt? Oft. Darum dieser Ratgeber, der hilfreiche gedankliche Verbindungen aufzeigt und sich überdies als geistreiches Sinnkonzentrat in einer ansonsten durch Absurdes verdünnten Welt sieht.

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Wir starten seicht. Dem Fahrwasser solcher Gemüter gleich, die sich der ewig alten Ante-Portas-Metaphorik bedienen, welche insbesondere zur oder vielmehr vor der Weihnachtszeit allumfassende Verwendung findet. "Weihnachten steht vor der Tür."

Der achtlose Laie mag im eklatanten Ausmaße der Banalität dieses Satzes noch keinen Anstoß finden, feinsinnigeren Gemüter müssen sich jedoch in ihren Grundwerten erschüttert finden. Zu recht.

Hilfe findet der gebildete und auf Selbstenthaltung erpichte Mensch im Angesichte solch zügelloser, ordinärer Personifikationen von Gevatter Weihnachten in der Parallelwelt des Karnevals. Dem drohenden ungebremsten Einfallen letztlich vielfach unerwünschter Besinnlichkeit, für die der Satz "Weihnachten steht vor der Tür" insbesondere bei dekorationswütigen Schwiegermüttern die Speerspitze darstellt, ist nur proaktiv die Schärfe zu nehmen. Der beherzte Ausruf "Wolle wa ihn reinlasse?" als Antwort scheint ein probates Mittel, um gleichsam beschriebenen Effekt zu erzielen wie auch sich bei einer breiteren Mitbürgerschaft Gehör für wichtige karnevalistische Belange zu verschaffen. Dies inbesondere in den folgenden Situationen: Im Auto, beim Arzt, in der Oper (außer bei Tenorsoli), auf Kreuzfahrtschiffen und generell in öffentlichen Anstalten zur Leibesertüchtigung. In sakraler Umgebung ist hingegen von einer Anwendung abzusehen.

Derart durch Wortwitz und Schlagfertigkeit in den Mittelpunkt gerückt, ist es darauf ein Leichtes den zwangsweise aufbrandenden spontanen Zuspruch in die geordneten Bahnen einer Polonaise zu steuern. Vorausschauende Zeitgenossen setzen weitere gezielte Impulse durch Clownsnasendarreichungen und zotige Darbietungen offensichtlich gespielten Schwachsinns. Zahlreiche Fernsehsender haben sich glücklicherweise mittlerweile darauf spezialisiert für letztgenannte Maßnahme, durch teils programmumfassende Sendespecials Inspirationsquelle und Wegweiser zu sein. Auch über die Weihnachstzeit hinaus, empfiehlt sich zudem das Mitführen eines sporttaschengroßen Ghettoblasters, der unterstützender Bote jegliche Weihnachtlichkeit vertilgender Karnevalistik sein kann und mit dem im restlichen Jahr klingeltontauschende Jugendliche mit Brahms in ihre Schranken gewiesen und die Flucht geschlagen werden können.

Wem die hier vorgetragenen praktischen Empfehlungen überspannt oder gar voll Irrwitz strotzend erscheinen sollte sich selbst an die vom Glühwein knollend rote Nase packen und einmal fragen: Was will uns der Autor mit alledem sagen?
Wenn mit ohne Sinn, dann richtig!
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Kommentare: 3
  • #1

    Edina (Freitag, 14 Oktober 2011 05:34)

    Wirklich sehr schön geschrieben. Da muss man sich das ein und andere Mal doch fragen, was gemeint ist, aber wenn man länger darüber nachdenkt, wird es einem doch sichtlich klar.

  • #2

    Kandra Holliman (Mittwoch, 01 Februar 2017 16:34)


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