Jahresrückblick 2008

Das Jahr 2008 wurde bereits frühzeitig von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum Jahr der Phrase ausgerufen. Eine weitsichtiger Zug - ist doch, dass was die Sprache der Dichter und Denker ausmacht über Jahrhunderte in die Phrase quasi eingeweckt worden wie in ein Glas Marmelade. Besonders große Leckermäuler scheinen demgemäß insbesondere Politiker und sonstige B-Prominenz zu sein, die dem Phrasenausruf des Jahres 2008 bereits frühzeitig antizipierend schon seit Jahren mit rigider Konsequenz folgen. Auch wir wollen noch oder besser gerade bei einem kurzweiligem Jahresrückblick dem Jahresmotto Folge leisten und uns entlang wichtiger Ereignisse und staatstragender Phrasen und Sprichworte durch das Jahr hangeln.

Januar  - Neue Besen kehren gut
Alles neu macht der Januar - denkt sich auch Zapf Kreation und holt mit dem pneumatischen Wunderwerk "Flocke", einem täuschen echten Eisbärbaby zum Gegenschlag gegen Steiff aus, denen "Knut" satte Umsatzgewinne beschert hatte. Produktionsumstellungen machen es hierbei notwendig, die Plüschausgabe von Flocke zunächst mit gleichem Funktionsumfang wie die zuvor in der Fabrik produzierte Puppe "Püppi" auszuliefern. "Püppi" war als Spielpuppe für Kinder mit türkischem Migrationshintergrund gedacht und konte pinkeln und groß. Der Erfolg der "Flocke" Puppe ist überwältigend. Bereits im Februar kann Zapf keine Nachfüllkotkatuschen mehr liefern.

Februar - Ein gutes Alter ist besser denn eine böse Jugend.
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy heiratet die 12 Jahre jüngere Carla Bruni. Teils wird die Geschwindigkeit mit der die Liason angegangen wird kritisiert.  Sarkozy heiratet im 2. Stock des Élysée-Palastes nachdem er Bruni 3 Stunden zuvor Parterre kennengelernt hatte und sich im 1. Stock von seiner bisherigen Frau hatte scheiden lassen.

März - Gegensätze ziehen sich an.
Die Belletristik bejubelt ihr neues Wunderkind: Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ wird von den Käufern in höchsten Tönen gelobt und stürmt die Bestsellerlisten. Einige Käufer lesen das Buch jedoch auch und sind entsetzt. Die Analfisurvorsorge erlebt ungeachtet solch kritischer Töne jedoch einen erneuten Frühling.

April - Gleich und gleich gesellt sich gern
In Deutschland beschäftigt das Dekolleté von Angela Merkel eine ganze Nation und straft all jene Kritiker lügen, die diffamierend hinter hochgeschlossen Lammschurpullöverchen lediglich eine einzige Brust vermuteten. Die Aufnahmen anlässlich der Eröffnung der norwegischen Nationaloper zeigen jedoch: Das Herz der Mutter der Nation schlägt hinter zwei wohlgeratenen Gewächsen, welche die Milchbauern dieser Nation in jene spaltet, die gerne ihr Handwerk hieran erproben würden und jene die Merkel selbst als Urheberin der Milchüberproduktion ausgemacht haben wollen.

Mai - Man sollte aufhören, wenns am schönsten ist.
Mit 78 Jahren heiratet Helmut Kohl wieder und beendet damit den unzüchtigen, auschweifenden Lebenswandel, dem er sich nach seinem Rücktritt hingegeben hatte. Erstmalig legt Helmut Kohl dabei zur Vermählung seit 1998 wieder Kleidung an. Seine langjährige gänzliche Nackheit in der Öffentlichkeit hatte indessen den Begriff des "Elefanten von einem Mann" insbesondere in der Frauenwelt gefestigt.

Juni - Warum aufhören wenns am schönsten ist?
Der Traum vom großen Titel erfüllt sich für Ballack und die Nationalelf bei der Fußball-EM nicht. Der Kapitän höchstselbst gibt sich jedoch selbst nach Spielende nicht geschlagen und bringt nach Oliver Bierhoff auch noch den spanischen König Juan Carlos samt Gattin durch eine hüfthohe beidbeinige Grätsche zu Fall. Ballack entschuldigt sich später. Er habe die beiden mit dem britischen Königspaar verwechselt.

Juli - Gut Ding will Weile haben.
Nach langjähriger Suche wird in Serbien der Kriegsverbrecher Karadzic gefasst. Den Tipp zu seinem Aufenthaltsort hatte Interpol durch Osama bin Laden bekommen, der geschäftlich zufällig in Brüssel zu tun hatte und kurz reingeschaut hatte. Erst Tage später fällt den Inspektoren auf, dass sie auch ihn hätten verhaften können. Oberinspektor Heesters: "Bin Laden hatte so leckeres Mandelgebäck dabei und war auch sonst kein schlechter Kerl."

August - Man muss die Eisen schmieden, solange sie noch heiß sind
Bei den Olympischen Spielen in Peking räumen die Chinesen Medaillen und Protestler mit gleicher Entschlossenheit ab. Beide werden gemeinsam eingeschmolzen und daraus ein Bronzestatue für die Achtung der Menschwürde gegossen.

September - Nur gemeinsam ist man stark
Nach endlosen Querelen nimmt SPD-Chef Kurt Beck endgültig seinen Hut. Beck hatte ihn bei einem freundschaftlichen Brunch im Hause Steinmeier Monate zuvor vergessen. Die darauf folgende, ausufernde Kritik er würde nicht nur kopf- sondern hutlos agieren führte letzen Endes zum wagemuten Schritt. Beck geht jedoch noch weiter und wirft auch noch den Handschuh, den Gesine Schwan wiederum bei ihm hatte liegen gelassen , entkleidet sich gar noch seines Conjäckchens und macht die Fliege, um auf den Spuren Helmut Kohls den Freikörperkult weiter zu propagieren.

Oktober - Wer sich auf andere verlässt, der ist verlassen
In Berlin schnürt die Regierung ein gigantisches Rettungspaket für die Finanzbranche, Peer Steinbrücks Assistent versäumt jedoch das Paket ausreichend freizumachen. Pakete ab 16t - 45 Millarden Euro wiegen 16 1/2 Tonnen - müssen seit 1. April 2008 jedoch mit 1,55 Euro und nicht 1,45 Euro frankiert werden. Die schwer leserliche Absenderadresse wird als Waldemar von Flodderopp ausgelesen. Der Empfänger wird jedoch als verstorben aufgeführt, worauf das Geld einer Selbsthilfegruppe für Zwiebackgeschädigte treuhändisch zur Verfügung gestellt wird. Die Gruppe plant von den 45 Millarden den Ersatz eines Wasserkochers, der beim Versuch fälschlicherweise als Quellwasser ausgewiesenen Zwieback aufzukochen, kaputt gegangen war.

November  - Change
In Amerika wird Barack Obama zum Präsidenten gewählt.
Kann man mal so stehen lassen.

Dezember - Schuster bleib bei Deinen Leisten
Westliche Medien kolportieren, dass in Athen Jugendliche für die schwersten Ausschreitungen seit Jahren gesorgt hätten und offenbaren hierdurch interkulturelle Inkompetenz, die längst als ausgemerzt galt. Über Brauchtümer wie die traditionelle Illumination des Weihnachtsbaumes durch Molotovcocktails wird sinnentstellend berichtet. Pietätsvoll zeigt sich allein die FAZ, die in einer Sonderbeilage über weitere internationale Weihnachtsbräuche berichtet, wie besinnliche Steinigungen Familienältester durch Christbaumschmuck in Finnland oder die metaphorische Erdolchung  des Grovaters durch eine Christbaumspitze in Kirgisien.


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Was lernen wir nun aus diesem Jahresrückblick, der manch ein Ereignis neu oder zumindest anders beleuchtete als in gängigen Medien der Fall? Im Leben entscheidet der Betrachtungswinkel über den Effekt der Anschauung. Eine Sache selbst und wie man mit ihr umgeht sind zwei unterschiedliche Dinge, die nicht eindeutig miteinander verknüpft sind. Der eine geht mit einem Zimperlein zum Arzt und kehrt verzweifelt wieder die Hiobsbotschaft verkündent: "Furchtbar. Er hat nichts gefunden!" - der andere kehrt um tonnenlasten erleichtert heim und spricht hingegen: "Er hat nichts gefunden! Gott sei dank!" Wie auch immer: Ich wünsche Euch für das kommende Jahr, dass Ihr stets den rechten Standpunkt für Euch findet, der Euch glücklich durchs Leben schreiten lässt. Aber schließlich: Et hät ja noch immer jot jejange. Und das steht eindeutig fest.

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Kommentare: 1
  • #1

    zitatgeber mai/juni (Mittwoch, 07 Januar 2009 22:56)

    woll junge! das liest sich sehr angenehm. wenn du dafür wirklich nur 2 stunden gebraucht hast, dann bin ich dir jetzt schon dankbar wenn du morgen in der mittagspause schnell das ideenpapier fertigschreibst.
    gut ding will rastend rosten!